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Geographien des Übersetzens

Sprache, Kontexte und Macht

 

Wissenschaftliche Gruppe

Die Übersetzung der sozialwissenschaftlichen Geographie ist eine Herausforderung für die internationale Zusammenarbeit. Die geographischen Diskurse und Werdegänge bleiben eng an die « Sprachräume » der offizielle Universitätssprachen gebunden – so lassen sich beispielsweise deutschsprachige, spanischsprachige und französischsprachige Geographien unterscheiden. Darüber hinaus, sind  Wissenschaftspraktiken nicht frei von sprachlichen Machteffekten. Eine Vorherrschaft des Englischen bedeutet einerseits die Möglichkeit einer gemeinsamen Sprache, ist aber gleichzeitig mit asymmetrischen Machtverhältnissen in der Wissenschaft verbunden. Diese Reduktion zeigt sich nicht nur auf sprachlicher, sondern auch auf epistemologischer Ebene, denn sie diktiert Fragestellungen, Deutungskontexte und Wahrheitsregime. Die Übersetzung ist daher nicht nur eine Bedingung der Internationalisierung, sondern auch eine machtvolle Praxis, deren Folgen der alltäglichen Wissenschaftsarbeit betreffen, die aber mehrere Fragenkomplexe aufwirft.

  • Theorien in Kontexte übersetzen. Die parallel aber doch getrennte Entwicklung unterschiedlicher Ansätze oder Schulen in den unterschiedlichen Sprachräumen erfordert einen epistemologischen Dialog. Dabei wird besonders wichtig, die unterschiedliche Rezeptionen von einflussreichen Texten der Sozialwissenschaften zu thematisieren oder auch das Verschwinden/Wiederentdeckung von Autoren.
  • Übertragen. Im sozialwissenschaftlichen Kontext ist die Übersetzung eines Textes eine komplexe Übertragung, die nicht nur an sprachlichen Schwierigkeiten stößt und Begrifflichkeiten überfordert, sondern die auch den Kontext in/mit/aus denen der Leser liest und entziffern mitbedenken muss. Die Voraussetzungen, die Selbstverständlichkeiten, die Referenzen - manchmal auch die Schreibweisen - sind so unterschiedlich, dass eine "gute" Übersetzung teilweise die Umschreibung des Textes erfordern würde.
  • Übersetzung und Hegemonie. Ausgehend von der englischsprachigen Hegemonie, kann eine Reflektion deren Normen (wie man schreibt, was man untersucht, mit welchen Ansätzen) und Effekten gelten. Eine Alternative, um zu einer internationalen mehrsprachigen Geographie beizutragen, könnten Querübersetzungen (die das Englische überspringen) sein. Diese Methode gilt es auszuprobieren und zu reflektieren.,.

Diese drei Komplexe werden im Netzwerk und durch unterschiedliche Veranstaltungen und Veröffentlichungen bearbeitet und in experimenteller Übersetzungsarbeit erforscht.

Veröffentlichungen…

  • Belina, Bernd & Michel, Boris (2007): Raumproduktion. Beiträge der Radical Geography. Westphälisches Dampfboot.
  • Husseini, Shadia (2009): Die Macht der Übersetzung. Konzeptionelle Überlegungen zur Übersetzung als politische Praktik am Beispiel kulturgeographischer Forschung im arabischen Sprachraum. In: Social Geography 4, S. 71-81. http://www.soc-geogr.net/4/71/2009/sg-4-71-2009.html http://www.soc-geogr.net/4/71/2009/sg-4-71-2009.html
  • Germes, Mélina & Petermann, Sandra (2010): Dialog über einen Bruch: Neue (Kultur) Geographien in Deutschland und Frankreich. In: raumnachrichten. http://www.raumnachrichten.de/materialien/diskussion/977-frankreich http://www.raumnachrichten.de/materialien/diskussion/977-frankreich

Veranstaltungen…

Kontakt: Mélina Germes, mgermes[at]geographie.uni-erlangen.de

Mitglieder und Sprachkontexte…

Henning Füller: Deutsch, English, Castellano.
Mélina Germes: Français, Deutsch, English.
Georg Glasze: Deutsch, English, Français.
Shadia Husseini: Deutsch, العَرَبيّة, Português, English.
Philippe KerstingPhilippe Kersting: Deutsch, Français, English.
Boris Michel: Deutsch, English.
Jörg Mose:Jörg Mose: Deutsch, Español, English, (Catalá).
Sandra Petermann: Sandra Petermann: Deutsch, Français, English.
Florian Weber: Deutsch, Français, English.


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Aktualisiert ( Mittwoch, den 02. März 2011 um 11:24 Uhr )  

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