Die Kritische Kartographie hinterfragt das allgemeine Verständnis von Karten als objektive Repräsentationen der räumlichen Anordnung von Phänomenen. Karten werden vielmehr als kulturell-historische Produkte betrachtet, die – oft ehr implizit als explizit – mächtigen Diskursen unterliegen. Weiterhin wurden Karten traditioneller Weise von wenigen staatlichen Institutionen und großen Unternehmen nach scheinbar professionellen wissenschaftlichen Standards hergestellt. Karten dien(t)en dabei nicht zuletzt der Stabilisierung staatlicher Raumordnungen.
In den letzten Jahren jedoch werden Karten, bzw. Geoinformationen zunehmend von – nach Maßstäben der traditionellen Kartographie – „Laien“ auf freiwilliger Basis  hergestellt und verarbeitet. Dies geschieht – stark verkürzt – auf der Basis von Online-Mapping -Plattformen, Open-Source-Software und kollaborativen Verfahren zur Informationsgewinnung und wird hier als Web 2.0-Mapping bezeichnet. Die Kartographische Praxis entgleitet somit zunehmend der staatlichen und wissenschaftlichen Kontrolle, obwohl staatliche Institutionen durchaus an diesen Prozessen beteiligt sein können.
Im Kontext des Nahostkonflikts, der im Kern ein Konflikt um Territorium darstellt, waren Karten immer hochumstritten und politisch umkämpft. Nicht nur der Verlauf staatlicher Grenzen, sondern auch die Auswahl und Symbolisierung bestimmter Orte (und das damit Verbundene Verschweigen anderer), bis hin zu Sprache und Größe textueller Elemente sind politische Aussagen, die der Kartograph über den Raum trifft.
Das Forschungsprojekt befasst sich vor diesem Hintergrund mit der kritischen Analyse des Web 2.0-Mapping im Nahostkonflikt: wie wird der Konflikt in den Online-Mapping Communities ausgetragen? Werden bestehende Machtrelationen und Hegemonien reproduziert oder hinterfragt? Welche Rolle spielen technologische Aspekte? Welche Akteure sind an den Mapping-Prozessen beteiligt (und welche nicht)? WofĂĽr werden die Karten verwendet und welchen Einfluss haben sie?
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Das Projekt stellt ein Teilprojekt der Forschungen zur Kritischen Kartographie dar.






