Urban Discourses

Sicherheitsorientierte Governance in Wohnquartieren - Vergleich von Stadtdiskursen in den USA und Europa

Leitung: Prof. Dr. Georg Glasze (FAU Erlangen-Nürnberg) und Prof. Dr. Robert PützProf. Dr. Robert Pütz (Goethe-Universität, Frankfurt am Main)

Bearbeitung: Henning Füller (FAU Erlangen-Nürnberg) und Nadine MarquardtNadine Marquardt (Goethe-Universität, Frankfurt am Main)

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Dauer: 2006-2009 (abgeschlossen)


Fragestellung:

Wie verändert sich die Art und der Umfang städtischer Sicherheitspolitiken bzw. städtischer sozialer Kontrolle im Kontext der gegenwärtigen „Renaissance der Stadt“?

Besonders markant wird eine solche Veränderung in der gegenwärtigen Restrukturierung von Downtown Los Angeles. Hier lässt sich seit 1999 ein massiver Prozess des Stadtumbaus beobachten vor dem Hintergrund der Maxime „Herstellung von Urbanität“. Die dabei erfolgte Fixierung des Städtischen, von Benutzer/-innen und tolerierten Benutzungsweisen lässt sich neben den üblichen sicherheitspolitischen Instrumenten als ein weiterer Aspekt sozialer Kontrolle lesen.

Die Untersuchung an einem Einzelfall ermöglicht einen besseren Blick für die Details und bewahrt vor der Tendenz zu überallgemeinen Aussagen. Dennoch gibt es gute Gründe (Ansätze eines empirischen Trends zum innerstädtischen Luxuswohnen weltweit), Los Angeles nicht als einen Sonderfall zu verstehen, sondern als ein durchaus exemplarisches Beispiel.

Kurzzusammenfassung der Ergebnisse:

Ausgehend von aktuellen Prozessen der Stadtentwicklung, namentlich dem Bedeutungsgewinn hochpreisigen innerstädtischen Wohnens und einer entsprechenden Bautätigkeit im Immobilienbereich („Renaissance der Stadt“), konnten in einer vergleichenden Untersuchung zwischen den USA und Deutschland zusammenhängende Veränderungen im Bereich Sicherheitspolitiken, städtischer Governance und sozialer Kontrolle aufgezeigt werden.

Eine in beiden untersuchten Ländern generell zu beobachtende Restrukturierung der Innenstadt auch in Richtung stärkere Wohnnutzung geht einher mit einer weitreichenden Neubestimmung der geteilten Vorstel-lungen von „Stadt“, „städtischem Leben“ und „Urbanität“. Diese in beiden Ländern analoge Verschiebung des Diskurses ist insbesondere relevant, da sich daraus auch veränderte Maßnahmen der beteiligten Akteure ergeben. Hier unterscheiden sich die untersuchten Länder hinsichtlich Reichweite und Wirkungskraft der ergriffenen Maßnahmen. In beiden Fällen bedeutet die „Renaissance der Stadt“ aber eine Intensivierung von sozialer Kontrolle in innerstädtischen Räumen. Das Städtische wird in den untersuchten Diskursen in dem doppelten Sinne „sichergestellter Urbanität“ aufgerufen: Zum einen als Gewährleistung überraschungsvoller, lebendiger und attraktiver „urbaner“ Räume. Zum anderen aber auch als Sicherheitsversprechen kontrollier-ter Räume. Entlang dieser teils gegenläufigen Leitlinien gruppieren sich in den untersuchten Fallbeispielen einzelne Programme und Maßnahmen der beteiligten Akteure: etwa die Bedeutung gebietsbezogener Interventionen auf Seiten der Immobilienentwickler (z.B. die Einrichtung von Business Improvement Districts in den USA) oder die aktive Vermarktung der Projekte für eine eng gefasste „urbane“ Lebenstilgruppe. Auf Sei-ten der Stadt resultiert die „Sicherstellung von Urbanität“ besonders in dem Fallbeispiel Los Angeles in einer zunehmend repressiven Polizeistrategie gegenüber als deviant wahrgenommenen Personen im öffentlichen Raum. In beiden nationalen Kontexten wird öffentlicher Räume zudem stärker unter private Verfügungsgewalt gestellt und dadurch direkte Maßnahmen sozialer Kontrolle, seien es Überwachungstechniken, private Sicherheitsdienste oder Zugangsbarrieren ermöglicht und befördert.

Veröffentlichungen im Rahmen des Projekts

  • Füller, Henning/Marquardt, Nadine (in Vorbereitung): Die Sicherstellung von Urbanität. Münster: Westfälischs Dampfboot
  • Füller, Henning/Marquardt, Nadine (im Erscheinen): Risikodenken und Stadtentwicklung. Politische Effekte veränderter sozialer Kontrolle am Beispiel Downtown Los Angeles. In: Egner, Heike/Pott, Andreas (Hg.): Geographische Risikoforschung. Zur Konstruktion verräumlichter Risiken und Sicherheiten. Stuttgart: Steiner
  • Füller, Henning/Marquardt, Nadine (2009): Gouvernementalität in der humangeographischen Diskursforschung. In: Glasze, Georg/Mattissek, Annika (Hg.): Handbuch Diskurs und Raum. Bielefeld.
  • Füller, Henning/Marquardt, Nadine (2009): One step back to see the whole picture: conceiving governance as power relations. In: Eckardt, Frank/Elander, Ingemar (Hg.): Urban Governance in Europe. Future Urban Research in Europe 2. Berlin: Berliner Wissenschaftsverlag, 93–110.
  • Marquardt, Nadine/Füller, Henning (2008): Die Sicherstellung von Urbanität. Ambivalente Effekte von BIDs auf soziale Kontrolle in Los Angeles. In: Pütz, Robert (Hg.): Business Improvement Districts. Ein neues Governance-Modell aus Perspektive von Praxis und Stadtforschung. Passau, Geographische Handelsforschung, 119–138
  • Füller, Henning/Marquardt, Nadine (2008): Mit Sicherheit zuhause. Master Planned Communities als Technologie der Exklusion und sozialen Kontrolle. In: Klimke, Daniela (Hg.): Exklusion in der Marktgesellschaft. Wiesbaden: VS Verlag, 145–157
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Aktualisiert ( Donnerstag, den 28. Januar 2010 um 11:34 Uhr )  

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