Die Kritische Kartographie entwickelte sich seit den 1980er Jahren in der anglo-amerikanischen Geographie. Die Kritik des Ansatzes zielt primĂ€r auf das alltagsweltliche VerstĂ€ndnis von Karten als objektive, wirklichkeitsgetreue und neutrale ReprĂ€sentationen rĂ€umlicher Sachverhalte. Aus einer konstruktivistischen und poststrukturalistischen Perspektive werden Karten als Texte begriffen, die dekonstruierbar sind. Jede Karte ist politisch, und dies gilt fĂŒr Propagandakarten genauso wie fĂŒr wissenschaftliche Karten, fĂŒr thematische ebenso wie fĂŒr topografische Karten. Karten (re-)produzieren immer bestimmte Weltbilder und marginalisieren damit andere Weltbilder indem sie kategorisieren, benennen, Grenzen ziehen etc.
Ein anderer Aspekt der Kritischen Kartographie bezieht sich auf die Praxis des Karten-Machens: die Produktion kartographischen Wissens als Mittel zur Ein- und Ausgrenzung von Menschen und Ressourcen ist traditionell eng verknĂŒpft mit der Geschichte des Nationalstaats. Karten wurden und werden beispielsweise als Instrumente zur Legitimation territorialer MachtansprĂŒche, fĂŒr militĂ€rische Zwecke und zur Kontrolle von Menschen eingesetzt.
Hier gibt es allerdings auch gegenlĂ€ufige Tendenzen. Explizit gegen staatliche Macht gerichtetes âCountermappingâ zur StĂ€rkung marginalisierter Gruppen, sowie die Demaskierung kartographischer AutoritĂ€t durch kĂŒnstlerische Karten-Projekte (âMapArtâ) sind zwei Beispiele fĂŒr Praktiken des Karten-Machens jenseits staatlicher MachtausĂŒbung. Weiterhin haben die Praktiken der Herstellung, Verbreitung und Nutzung von Karten mit den neuen technologischen Möglichkeiten des Internet und insbesondere des âWeb 2.0â radikal verĂ€ndert.
MitarbeiterInnen am Institut arbeiten in verschiedenen Projekten in all diesen Feldern.






